


1. Allgemeines
Üblicherweise werden zuvor gefertigte Stahlkonstruktionen, vorgefertigte Bau-
gruppen und bereits verarbeitete Einzelelemente feuerverzinkt. Es kommt jedoch mitunter vor, daß Konstruktionen zu sperrig oder zu labil sind, um sie als vor-
gefertigte Teile stückverzinken zu können; dann kann es sinnvoll sein, diese Kon-
struktionen aus zuvor feuerverzinkten Halbzeugen zu erstellen. In einigen An-
wendungsbereichen, z.B. bei Rohren für Installationszwecke, ist es üblich, mit feuerverzinktem Halbzeug zu arbeiten.
Feuerverzinkte Hohlprofile gibt es als Rund- oder Rechteckrohr in einer Vielzahl von Abmessungen und Stärken und in der Regel in Längen von 6 oder 12 Metern (Abb. 1). Aber nicht nur bei Hohlprofil-Halbzeugen kommt die Feuerverzinkung zur Anwendung, auch bei kalt- oder warmgewalzten Stahlprofilen aus Vollmaterial bietet der gut sortierte Stahlhandel eine Vielzahl von Abmessungen an.
Die Halbzeuge werden üblicherweise in mechanisierten oder teilmechanisierten Anlagen kostengünstig und rationell feuerverzinkt. Man erreicht eine hohe Güte und Ebenmäßigkeit des Zinküberzuges, die sich teilweise durch ein Überblasen der Profile mittels Druckluft unmittelbar beim Herausziehen der Teile aus dem Zinkbad noch weiter erhöhen läßt.
Feuerverzinkte Halbzeuge lassen sich ebenso weiterverarbeiten wie unverzinkte Stahlprofile. Im Rahmen der Weiterverarbeitung werden sie üblicherweise abge-
längt und mit gängigen Verbindungsverfahren, wie zum Beispiel Schweißen, Schrauben, Nieten, Löten oder Kleben, miteinander verbunden; auch Steckver-
bindungen kommen vor.
Im Zuge der Weiterverarbeitung wird der Zinküberzug in den meisten Fällen lokal mehr oder weniger stark beschädigt. Ob und in welchem Umfang Ausbesserungs-
arbeiten am Zinküberzug durchgeführt werden müssen, ist im Einzelfall zu prüfen.
Abb. 1: Beim Warenausgang erfolgt im Rahmen der
Qualitätskontrolle eine Schichtdickenmessung
Abb. 2: Ausbessern von Schadstellen mittels Zinkstaub-
beschichtungsstoffen (Schadstellen nur kleinflächhig ausbessern)
2. Anforderungen
"Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied!" Aus diesem Grund ist un-
ter Berücksichtigung des Korrosionsschutzes die aus feuerverzinktem Halbzeug hergestellte Stahlkonstruktion der als Fertigteil feuerverzinkten Stahlkonstruktion nur dann vergleichbar, wenn

 | die Dicke des Zinküberzuges den Werten der DIN EN ISO 1461 "Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken)" entspricht
|  | die Schäden am Zinküberzug (insbesondere an den Schweißstellen) fachgerecht gemäß DIN EN ISO 1461, Abschnitt 6.3, ausgebessert werden
|  | der ausgebesserte Bereich die in DIN EN ISO 1461 genannten Grenzen nicht überschreitet (Ausbesserungsbereich maximal 0,5 % der Bauteiloberfläche; größte Einzel-Ausbesserungsstelle maximal 10,0 cm²) |
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Eine sorgfältige, fachkundige Ausbesserung der Schadstellen im Zinküberzug er-
fordert zwar einen gewissen Mehraufwand; dafür bietet die Verarbeitung von bereits feuerverzinkten Halbzeugen aber den Vorteil, daß verarbeitungsbedingte Eigenspannungen keinen Verzug während des Verzinkungsvorganges verur-
sachen können.
Die Ausbesserung muß die Entfernung von Verunreinigungen und die notwendige Reinigung und Oberflächenvorbereitung der Schadstelle zur Sicherstellung des Haftvermögens beinhalten.
Die Ausbesserung muß durch thermisches Spritzen mit Zink (DIN EN 22063) oder durch eine geeignete Zinkstaubbeschichtung, innerhalb der praktikablen Grenzen solcher Systeme erfolgen. Die Verwendung von Loten auf Zinkbasis ist ebenfalls möglich.
Die Schichtdicke des ausbesserten Bereichs muß mindestens 30µm mehr betra-
gen als die geforderte örtliche Dicke des Zinküberzugs an der entsprechenden Stelle nach DIN EN ISO 1461, Tabelle 2 oder 3.
Falls die Feuerverzinkerei darauf hingewiesen wird, daß ein verzinktes Teil zu-
sätzlich beschichtet werden soll, sollte der Auftraggeber darauf hingewiesen werden, daß das Ausbessern von Fehlstellen zulässig ist; er sollte über das ge-
wählte Ausbesserungsverfahren und die hierzu verwendeten Stoffe informiert werden. Auftraggeber und Beschichter sollten sich vergewissern, daß das nach-
folgende Beschichtungssystem für die verwendeten Verfahren und Materialien geeignet ist.
3. Verarbeitung
Feuerverzinkte Halbzeuge müssen bis zur Weiterverarbeitung sorgfältig gelagert werden, um einer Schädigung z.B. durch Weißrostbildung vorzubeugen.
Bei der Lagerung von Material in Bündeln oder Paketen im Freien besteht stets die Gefahr, daß sich Feuchtigkeit zwischen den Profilen sammelt. Gerade bei frisch feuerverzinkten Stahlprofilen kann sich unter intensiver Feuchtigkeitsein-
wirkung und ungünstigen Belüftungsverhältnissen Weißrost bilden. Der Gefahr der Weißrostbildung kann man vorbeugen, indem man die Stahlprofile trocken lagert und z.B. die Luftzirkulation zwischen den Profilen durch Holzzwischenlagen fördert. Das Abdecken von frei gelagerten Materialbündeln durch Plastikfolien oder Planen kann unter Umständen unerwartete Nachteile haben, denn unter der Abdeckung kommt es zu starker Kondenswasserbildung, welche die Verzinkung schädigen kann.
Bei der Weiterverarbeitung der Profile - z.B. beim Sägen, Bohren oder Trennen - muß darauf geachtet werden, daß Eisenspäne auf der verzinkten Oberfläche nicht zu einer Fremdrostbildung führen. Fremdrost entsteht, wenn sich Eisenpartikel auf feuerverzinkten Oberflächen ablagern und dort zusammen mit Feuchtigkeit Rost bilden.
Bei Feuchtigkeitseinwirkung verfärbt sich der Bereich um derartige Eisenpartikel intensiv rotbraun (Abb. 3). Lassen sich lose aufliegende Säge- und Bohrspäne oder Reste von Schweißelektroden noch relativ leicht abfegen, so sind festge-
brannte Partikel, wie sie beim Trennschleifen als extrem heiße Funken auf die feuerverzinkten Oberflächen geschleudert werden können, sehr viel proble-
matischer.
Diese heißen Eisenpartikel brennen sich auf der Oberfläche des Zinküberzuges fest und lassen sich mit einfachen Mitteln nicht mehr entfernen.
Zwar lassen sich feuerverzinkte Halbzeuge weitgehend wie unverzinkte Stahlpro-
file verarbeiten, es ist jedoch größte Vorsicht geboten, wenn es darum geht, die Profile in einem engen Radius zu biegen, abzukanten oder zu stanzen. In solchen Fällen kann es vorkommen, daß der Zinküberzug die auftretenden Belastungen nicht unbeschadet übersteht (Abb. 4). Es können kleine Risse oder lokale Ab-
platzungen auftreten.
Die Verwendung von feuerverzinkten Halbzeugen kann in einigen Anwendungs-
bereichen, in denen das Stückverzinken nicht möglich ist, Vorteile haben; jedoch erfordert die Weiterverarbeitung und die damit verbundene Ausbesserung unver-
zinkter Stellen im Zinküberzug stets einen gewissen Mehraufwand. Es ist im Ein-
zelfall zu entscheiden, welche Art der Feuerverzinkung einzusetzen ist.
Abb. 3: Rostbraune Verfärbung von feuerverzinkten
Stahlprofilen durch Fremdrost
Abb. 4: Abgeplatzter Zinküberzug am verformten Ende eines Rohrprofils

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