
Der Industrieverband Feuerverzinken e.V. hat in diesem Jahr zum 8. Mal den
1989 ins Leben gerufenen Deutschen Verzinkerpreis für Architektur und
Metallgestaltung vergeben. Die Verleihung des Preises erfolgte anlässlich
der Mitgliederversammlung des Industrieverbandes Feuerverzinken e.V. in
München.
Mehr als 110 eingereichte Objekte wurden einer hochkarätig besetzten und
fachkundigen Jury zur Beurteilung präsentiert. Die große Zahl an
eingereichten Objekten machte wieder einmal deutlich, welch hohen
Stellenwert der Wettbewerb um den Deutschen Verzinkerpreis in der Fachwelt
besitzt. Nach Auffassung der Juroren erfüllten nicht wenige der vorgelegten
Arbeiten trotz einer deutlichen Heterogenität die Ziele der Auslobung.
Bewertungskriterien der Jury waren:
- Ästhetisch-technische Qualität der Architektur
- Materialeinsatz
- Ressourcenschonung
- Innovation und Konvention
- Funktionalität und Flexibilität
- Angemessenheit
- Städtebau
Die Jury:
Der Jury gehörten an:
Ulrike Sengmüller,
Dipl.-Ing., Redaktion UpDate, München
Prof. Carlo Weber,
Auer + Weber + Partner Architekten, Stuttgart
Andreas Rogg,
Schaudt Architekten BDA, Konstanz
Träger des 1. Preises 2001
Carl Steckeweh
Dipl.-Volkswirt, Geschäftsführer des BDA Bund Deutscher Architekten, Berlin
Dr. John-Thomas Siehoff
Chefredakteur M & T Metallhandwerk, Lübeck
Holger Glinde,
Dipl.-Kaufmann, Referatsleiter im Institut Feuerverzinken GmbH, Düsseldorf
Prof. Dr.-Ing. Rainer Hempel,
Lehrstuhl für Architektur der Fachhochschule Köln, Köln
Jürgen Marberg,
Dipl.-Ing., Geschäftsführer des Industrieverbandes Feuerverzinken e.V.,
Düsseldorf
Bei ihren einstimmig getroffenen Entscheidungen würdigte die Jury mehrfach
und ausdrücklich entschlossene und mutige Lösungen, die weit weg von den
ausgetretenen Pfaden des sogenannten Mainstreams, in originärer Weise
Zeichen und Akzente setzen. Dies gilt uneingeschränkt für die vier mit
Preisen ausgezeichneten Arbeiten und mit kleinen Einschränkungen für die
Verfasser, deren Objekte mit Anerkennungen und Belobigungen bedacht wurden.
Mit den prämierten Objekten wurden herausragende Beispiele zeitgenössischer
Baukunst und Metallgestaltung ausgezeichnet, die in besonderer Weise
Denkanstösse geben. Denkanstösse für den ressourcenschonenden und sinnvollen
Umgang mit Materialien bei einer gleichzeitig hohen architektonischen und
gestalterischen Qualität und vorbildliche Modelle für die Gestaltung unserer
Lebenswelt.
1. Preis: ERCO Hochregallager Lüdenscheid
Architekten: Till Schneider + Michael Schumacher, Frankfurt am Main
Begründung der Jury:
Mit dem ERCO Hochregallager P3 in Lüdenscheid entstand ein herausragendes
Beispiel für zeitgenössische Industriearchitektur.
Aus einer scheinbar banalen Aufgabe, nämlich der Verpackung einer als
Meterware gelieferten Maschinerie gelang es den Architekten in Verbindung
mit dem Lichtplaner für die Firma, eine Lichtskulptur zu schaffen, welche
die Firmenphilosophie als Corporate Identity in Szene setzt. Der klare Kubus
mit einer Länge von ca. 70 x 30 m ist in das leicht abschüssige Gelände
eingeschnitten und mit einem Steg an die Produktionshalle angebunden. Die
subtile Ausbildung der Gebäudehülle besteht an den Giebelseiten aus
großformatigen Isolierglasscheiben, die einen unmittelbaren Einblick in die
Technik ermöglichen. Die Längsfassade besteht aus doppelschaligen
Profilglaselementen deren senkrechte Stege nach außen stehen und so ein
filigranes Schattenmuster erzeugen. Durch das transluzente Material werden
die Arbeitsvorgänge der Maschinerie, des Stapelns, Verladens, Ordnen und
Umschichten nach außen projiziert.
Durch das gelungene Zusammenspiel von Material, Struktur und Beleuchtung
entsteht ein geheimnisvolles Gebäude mit schlichter Eleganz.
Die Inszenierung der Fassadenhinterleuchtung, welche verschiedene Bilder und
Bewegungsabläufe überlagert darstellt, machen die Vorgänge hinter der
Fassade auch in den Abenden und Nachtstunden transparent und überhöhen das
Gebäude zum Kunstwerk.
1. Preis: Siedlungsmodell Bayern, Ingolstadt
Architekten: Bäuerle – Lüttin, Konstanz
Begründung der Jury:
Postulate und Strategien wie
- hierarchiefreie Kombinationsmöglichkeiten von Wohnungen
- mögliche Zusammenlegung von Wohnungen
- kostengünstiges Bauen
- innovative Konstruktionen
- hoher Grad an Vorfertigung
- ökologische und energetische Aspekte
- Beteiligung der künftigen Bewohner im Planungsprozess
- Eigenleistung der Nutzer
kennzeichnen dieses durch das Land Bayern im Rahmen eines Siedlungsmodells
geförderten Wohngebäudes.
Diese Forderungen wurden bei dem ausgezeichneten Gebäude beispielhaft
umgesetzt.
Auszeichnungswürdig ist, mit welcher Konsequenz und gestalterischer Qualität
neue, im Wohnungsbau bisher weniger verwendete Materialien wie Stahl und
Leichtmetall eingesetzt wurden.
Verzinkter Stahl kam in großem Umfang für die Tragkonstruktion und bei der
Gestaltung der Fassaden zur Verwendung.
Die Gestaltung überzeugt in allen Bereichen durch die Qualität der
Proportionen, das Kenntlichmachen der Konstruktionsprinzipien und die
materialgerechten Details.
2. Preis: Killesbergturm, Stuttgart
Architekten: Schlaich, Bergermann und Partner, Beratende Ingenieure im
Bauwesen, Stuttgart
Begründung der Jury:
Aussichtstürme gehören seit alters her zu den Plätzen, die die Phantasie der
Menschen anregen. Dies gilt insbesondere für den Killesbergturm, der ein
innovatives Meisterwerk der Turmbaukunst darstellt. Abgeleitet vom
Konstruktionsprinzip eines Seilnetzkühlturmes entstand ein 40,35 m hoher
Aussichtsturm der zum Wahrzeichen des Killesbergparks geworden ist. Mit
diesem außergewöhnlichen Turm wird überzeugend demonstriert, daß sich
modernste Bautechnik mit Mensch, Natur und Garten im Einklang befinden kann.
Einem herrlichen landschaftlichen Höhepunkt wird noch eine Krone aufgesetzt.
Die transparente und leichte Konstruktion wird durch ein tailliertes,
vorgespanntes Schrägseilnetz erreicht, das an einem oberen, vom Mastkopf
angehängten, Druckring und am Schwergewichtsfundamentring anschließt. Mit
vier großzügigen Aussichtsplattformen in 8, 16, 24 und 31 m Höhe gestaltet
sich das Hinauf- und Heruntersteigen über eine Doppelhelix zu einem Erlebnis
mit unendlich vielen Blickbezügen.
Die Plattformen sind außen am Seilnetz und innen am zentralen nur 50 cm
dicken, stählernen Mast angeschlossen. Die äußeren Wangen der Treppenläufe
sind über Klemmverbindungen am Seilnetz befestigt worden, während die
inneren als gebogene Flachbleche von Podest zu Podest frei spannen.
Der herausragende Gesamteindruck des stählernen, komplett verzinkten Turmes
wird durch die ästhetisch und konstruktiv exzellente Detaillierung noch
unterstrichen.
2. Preis: Forschungs- und Entwicklungszentrum der ADVA AG in Meiningen
Architekten: Kauffmann Theilig & Partner, Stuttgart
Begründung der Jury:
Mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum der ADVA AG Optical Networking
in Meinigen ist es den Architekten gelungen, die komplexen Anforderungen von
Büro und Produktion mittels einer offenen, sichtbaren Stahlkonstruktion in
einem lichten, freundlichen Bau zu vereinen. Die Planung in Gebäudemodulen,
basierend auf einer regelmäßigen Tragstruktur aus handelsüblichen
HEA-Profilen, gestattete die Realisierung innerhalb einer kurzen Planungs-
und Ausführungszeit sowie eines stringenten Kostenrahmens. Auch die spätere
Erweiterung ist dadurch vorbereitet.
Der Baukörper besteht aus zwei Hallen, die der Länge nach von jeweils einem
nach Außen prägnanten Shed-Dach, überspannt werden. Diese ragen nach beiden
Seiten über den Baukörper hinaus und werden dort von einer filigranen
Stahlkonstruktion gestützt.
Im Inneren der Hallen sind die Büro- und Verwaltungsbereiche mittels einer
sichtbaren Stahlkonstruktion galerieartig aufgeständert. Durch die Reduktion
auf wenige Materialien, einen großen Glasanteil und die offene Konstruktion
wird hohe Transparenz und damit eine kreative Arbeitsatmosphäre erzeugt.
Eine Besonderheit ist das intelligente Tageslichtkonzept des Gebäudes. Die
signifikanten Dachelemente mit integrierter Lichtlenkung sorgen für
blendungsfreies, vollflächiges Nordlicht und punktförmiges, unkritisches
Sonnenlicht, sodass eine Atmosphäre fast wie im Freien entsteht.
Anerkennung: Grund- und Hauptschule Steisslingen
Architekten: Dury - D’Aloisio, Konstanz
Begründung der Jury:
Zu loben ist als erstes die städtebauliche Qualität der Gesamtanlage. Durch
angemessene Gliederung des Neubauvolumens und schöne Freiräume ist zusammen
mit den Altbauten ein spannungsvolles Ganzes entstanden.
Das Grundrißgefüge des Neubaus ist von hohem räumlichen Reiz und aus dem
Konzept eines zentralen Freiraums als Mitte der Schulanlage entwickelt.
Besonders hervorzuheben ist der sinnvolle Einsatz der Materialien, sowohl,
was Konstruktion, Bauphysik und Details als auch, was die damit erzielte
atmosphärische Wirkung betrifft.
So ist das Material Holz in großem Umfang eingesetzt für Stützen, Träger,
Decken und Wände.
Auch in den Fassaden kann dieses Material – geschützt gegen die Witterung –
seinen Ausdruck entfalten dank einer Doppelfassade als Glas und verzinktem
Stahl, den beiden Materialien, die dem Gebäude seine Transparenz und
Grazilität verleihen.
Anerkennung: Gemeindezentrum „Feste Burg“, Hamburg-Neuallermöhe
Architektin: Christine Edmaier, Berlin
Begründung der Jury:
Die längst nicht alltägliche, aber – in Anbetracht des ersten ökumenischen
Kirchentages in Deutschland – äußerst zeitgemäße Bauaufgabe, ein
Gemeindezentrum für evangelische und katholische Mitbürger in einem neuen
Stadtteil zu entwerfen, löst die Verfasserin in sehr beeindruckender Form.
Die „Feste Burg“ beherbergt innere und äußere Qualitäten, wie sie die
zahllosen, vor Jahrzehnten und auch in jüngster Zeit entstandenen
vergleichbaren Häuser nur höchst selten vorzuweisen haben. Obwohl – im
Vergleich zum Wettbewerbsentwurf, in dem zunächst nur eine Begegnungsstätte
für evangelische Christen im Raumprogramm zu berücksichtigen war –
zahlreiche Einsparungen notwendig wurden, konnte nicht nur das qualitätvolle
städtebauliche Konzept realisiert und den neuen Umständen angepaßt werden.
Auch die Architektur überzeugt in ihrer Sinnhaftigkeit und Bescheidenheit,
in ihrer Schlichtheit, Eleganz und Solidität. Alles – Grundrisse,
Materialwahl, Einbindung in die Umgebung, Qualität der Ausführung – wirkt
angemessen, aber dennoch herausragend und den Standort enorm aufwertend: ein
Juwel, das man in einer „neuen Stadt“ nicht unbedingt vermutet hätte.
Anerkennung: Solvis Nullemissionsfabrik, Braunschweig
Architekten: Banz + Riecks, Dortmund
Begründung der Jury:
Den vielfältigen und sehr berechtigten Lobeshymnen über das mehrfach
ausgezeichnete Bauwerk jüngerer Architektinnen und Architekten als Ergebnis
eines beschränkten Wettbewerbs ist kaum noch etwas hinzuzufügen.
Die Fabrik, in ihrer ganzheitlichen Qualität meilenweit entfernt von den
zahllosen Industrie- und Gewerbebauten, die – von wenigen Ausnahmen
abgesehen – die Ränder unserer Städte verunstaltet haben, ist nicht nur
sichtbarer Ausdrucke und Corporate Identity einer neuen, anderen
Firmenphilosophie, sondern – städtebaulich, architektonisch, technisch, in
Materialauswahl und -verwendung – eine wegweisende Innovation, die neue
Maßstäbe setzt für das Bauen im 21. Jahrhundert.
Darüber hinaus ist die Nullemissionsfabrik ein Beleg dafür, daß auch im
Industrie- und Gewerbebau hohe Qualität zu angemessenen Kosten vor allem
dann entsteht, wenn die maßgeblich Beteiligten – Bauherr, Architekten,
Ingenieure, Unternehmen, Hersteller – an einem Strang ziehen: Baukultur als
Ergebnis von Planungs- und Prozeßkultur.
Anerkennung: Verzinken – ein »Schöpferischer Akt«: »Die
Schöpfungsgeschichte«
Künstler: Ideenkunst, Andreas Rimkus, Springe
Begründung der Jury:
Die »Schöpfungsgeschichte« erzielt ihren Reiz dadurch, dass der Künstler den
eigentlichen Prozess des Verzinkens, der üblicherweise rein zweckmäßig und
nur im Ergebnis zu betrachten ist, abbildet. Er wird so nachvollziehbar und
vom funktionellen zum formgebenden – schöpferischen – Akt, der Raum zu
vielfältigen Assoziationen gibt.
Das Objekt »Schöpfungsgeschichte« wurde für einen sakralen Raum konzipiert
und besteht aus einem Stahlrahmen, der mit Kupferdrähten umwickelt wurde und
am offenen Zinkbad entstand. Intention des Künstlers war es,
beim »Modellieren« mit dem Zink gerade die Eigenschaften des Zinks zu
verwenden, die im Normalfall nach dem Verzinken wieder verschwinden.
Belobigung: Gläserne Manufaktur Dresden, Volkswagen AG
Architekten: Henn Architekten Prof. Dr. Gunter Henn, München
Begründung der Jury:
Die Gläserne Manufaktur ist eine Fabrik, deren gesamte Hülle aus
Glasfassaden besteht. Hier montiert VW die Luxuslimousine Phaeton. Die
Transparenz der hellen, atelierartigen Räume macht die schrittweise
Entstehung eines vornehmlich in Handarbeit gefertigten Fahrzeuges erlebbar
und inszeniert seine Übergabe an den Kunden. Weitere Räume mit
Erlebnischarakter wie Ausstellungen, Techniksimulationen, Restaurants und
Bars machen die gesamte Produktion zu einem Ereignis im öffentlichen Raum
der Stadt Dresden.
Das „Fahrzeugzylinder“ genannte Teilgebäude ist ein 44 Meter hoher runder
Stahlbau mit einem Durchmesser von dreißig Metern. Der Zylinder setzt sich
aus verzinkten Regalkonstruktionen, dreihundert verzinkten Stahlplattformen
und 1030 Quadratmetern verzinkter Gitterrostbeläge entlang der Fassen
zusammen. Hier werden die fertigen Wagen präsentiert. In den Außenbereich
der Fabrik führen drei Stahlbetonbrücken, die mit verzinkten Stahlgeländern
umwehrt sind.
Die transparente Architektur auf der Grundlage vieler verzinkter Primär- und
Sekundärbauteile aus Stahl unterscheidet die Gläserne Manufaktur von
herkömmlichen Auslieferungszentren für Automobile.
Belobigung: Antennenempfangsmast Reg TP Leipzig
Architekten: Schulitz + Partner, Architekten und Ingenieure, Braunschweig
Begründung der Jury:
Der über 50 m hohe Antennenempfangsmast besticht durch die konstruktive und
gestalterische Reduktion auf das Notwendige. Die drei Plattformen in ca. 39,
45 und 50 m Höhe sind funktional und bilden auch formal ein ansprechendes
„Kapitell“.
Der gewählte Dreigurtmast wurde als Vierendeelsystem mit ungleichen Gurten
aus Stahlrohr ausgeführt. Der Hauptgurt läuft bis zur Mastspitze in ca. 51 m
Höhe durch und besitzt konsequenterweise mit ca. 500 mm den größten
Durchmesser. Die Nebengurte reichen nur bis zur ersten Plattform in ca. 39 m
Höhe. Sie sind folglich mit ca. 320 mm Durchmesser deutlich schlanker. Die
horizontalen Streben aus IPE 330 sind entsprechend der Beanspruchung nach
oben hin mit zunehmendem Abstand angeordnet worden. Hierdurch kommt eine
wohltuende Dynamik in die Struktur. Das Nichtvorhandensein von Diagonalen
unterstreicht dabei die klare, stringente Eleganz.
Die gesamte feuerverzinkte Konstruktion wurde verzinkungsgerecht in Schüssen
von bis zu 16 m Länge vorgefertigt und vor Ort nur noch mit Schraubstößen
montiert.
Mit dem Mast ist ein technisches Bauwerk gelungen, daß sicherlich
richtungsweisend für ähnliche Bauaufgaben sein wird. Bedingt durch die klare
orthogonale Struktur und die Reduktion auf wenige gleiche Bauteile ist die
Einfügung sowohl in die natürliche als auch in die gebaute Umwelt äußerst
verträglich.
Belobigung: Atelier in der Lindberghstrasse, München
Architekten: Nickl & Partner, München
Begründung der Jury:
Das Gebäude liegt in einem neu erschlossenen Gewerbegebiet in München. Es
war das Ziel der Architekten ein Gebäude zu konzipieren, welches einerseits
den Ansprüchen an Funktion und Flexibilität der künftigen Nutzer als auch
dem voraussichtlich heterogenen Gefüge eines entstehenden Gewerbegebietes
entsprach.
Der entstandene Kubus lehnt sich mit seinem Kopf an die Eingangsseite im
Süden an die Lindberghstrasse, um sich dann fast schwebend in die Landschaft
hinaus zu schieben.
Für die Jury bestand ein besonderer Reiz in der mehrschichtigen Hülle des
Gebäudes, das dabei in seinem schroffen, industriellen Charakter den Bogen
zwischen Abschottung auf der einen und individueller Offenheit auf der
anderen Seite spannt.
Obwohl das Tragwerk des Gebäudes aus Stahlbeton besteht, ist die
beeindruckende Fassade aus feuerverzinktem Stahl die Hauptcharakteristik des
Gebäudes. Die feuerverzinkte Pfosten- Riegelkonstruktion der Fassade mit
einer Lamellenhaut, die über Tages- und Jahreszeitenverlauf immer wieder
eine wechselnde, fast chamäleonhafte Erscheinung annimmt, stellt hier eine
unverwechselbare Hülle dar.
Belobigung: Wohnhaus in Weiskirchen
Architekt: Markus Ott, Saarbrücken
Begründung der Jury:
Bei diesem Wohnhaus besticht der konsequente Einsatz einer verzinkten
Stahlkonstruktion, durch die Entwurfsabsicht des Architekten – massives
Sockelgeschoß, Öffnung des Wohnbereichs nach Südwesten und „schwebendes“
Obergeschoß – verwirklicht werden konnte.
Bemerkenswert sind gestalterische Details wie das „Ablösen“ des
Obergeschosses vom Sockelgeschoß und die „gläserne Fuge“ an dieser Stelle.
Belobigung: Friedhoftor „Durchlaufende Linien“
Künstler: Alfred Bullermann, Markhausen
Begründung der Jury:
Es ist die Suche nach dem Neuen, dem Eigenen, dem Besonderen, die den
Schmied und Produktdesigner Alfred Bullermann bei der Metallgestaltung
antreibt. Die Ergebnisse seiner Arbeit sind manchmal bizarr, exzentrisch
oder grafisch und starr, nicht selten auch gefühlvoll angelehnt an das was
war. Das mit einer Belobigung ausgezeichnete Friedhofstor in dessen Mitte
und Zentrum erhaben das Kreuz steht, fügt sich harmonisch in sein räumliches
Umfeld aus friedhofstypischer Begrünung, einer roten Backsteinmauer und
ebenfalls roter Bepflasterung ein. Die filigrane, offene Konstruktion
konzentriert sich auf das Wesentliche und besticht durch ihre schlichte
Zurückhaltung, die im wesentlichen aus horizontalen und vertikalen Linien
besteht und von durchlaufenden Linien durchbrochen wird. Das feuerverzinkte
Friedhofstor steht im Kontext und in der Tradition sakraler Formensprache
und interpretiert diese in einer modernen und eigenständigen Weise.









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