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Langversion: Deutscher Verzinkerpreis 2003 - Vorbildliche Beispiele der Gestaltung unserer Lebenswelt

Der Industrieverband Feuerverzinken e.V. hat in diesem Jahr zum 8. Mal den

1989 ins Leben gerufenen Deutschen Verzinkerpreis für Architektur und

Metallgestaltung vergeben. Die Verleihung des Preises erfolgte anlässlich

der Mitgliederversammlung des Industrieverbandes Feuerverzinken e.V. in

München.

 

Mehr als 110 eingereichte Objekte wurden einer hochkarätig besetzten und

fachkundigen Jury zur Beurteilung präsentiert. Die große Zahl an

eingereichten Objekten machte wieder einmal deutlich, welch hohen

Stellenwert der Wettbewerb um den Deutschen Verzinkerpreis in der Fachwelt

besitzt. Nach Auffassung der Juroren erfüllten nicht wenige der vorgelegten

Arbeiten trotz einer deutlichen Heterogenität die Ziele der Auslobung.

 

Bewertungskriterien der Jury waren:

- Ästhetisch-technische Qualität der Architektur

- Materialeinsatz

- Ressourcenschonung

- Innovation und Konvention

- Funktionalität und Flexibilität

- Angemessenheit

- Städtebau

 

Die Jury:

Der Jury gehörten an:

 

Ulrike Sengmüller,

Dipl.-Ing., Redaktion UpDate, München

 

Prof. Carlo Weber,

Auer + Weber + Partner Architekten, Stuttgart

 

Andreas Rogg,

Schaudt Architekten BDA, Konstanz

Träger des 1. Preises 2001

 

Carl Steckeweh

Dipl.-Volkswirt, Geschäftsführer des BDA Bund Deutscher Architekten, Berlin

 

Dr. John-Thomas Siehoff

Chefredakteur M & T Metallhandwerk, Lübeck

 

Holger Glinde,

Dipl.-Kaufmann, Referatsleiter im Institut Feuerverzinken GmbH, Düsseldorf

 

Prof. Dr.-Ing. Rainer Hempel,

Lehrstuhl für Architektur der Fachhochschule Köln, Köln

 

Jürgen Marberg,

Dipl.-Ing., Geschäftsführer des Industrieverbandes Feuerverzinken e.V.,

Düsseldorf

 

Bei ihren einstimmig getroffenen Entscheidungen würdigte die Jury mehrfach

und ausdrücklich entschlossene und mutige Lösungen, die weit weg von den

ausgetretenen Pfaden des sogenannten Mainstreams, in originärer Weise

Zeichen und Akzente setzen. Dies gilt uneingeschränkt für die vier mit

Preisen ausgezeichneten Arbeiten und mit kleinen Einschränkungen für die

Verfasser, deren Objekte mit Anerkennungen und Belobigungen bedacht wurden.

 

Mit den prämierten Objekten wurden herausragende Beispiele zeitgenössischer

Baukunst und Metallgestaltung ausgezeichnet, die in besonderer Weise

Denkanstösse geben. Denkanstösse für den ressourcenschonenden und sinnvollen

Umgang mit Materialien bei einer gleichzeitig hohen architektonischen und

gestalterischen Qualität und vorbildliche Modelle für die Gestaltung unserer

Lebenswelt.

 

1. Preis: ERCO Hochregallager Lüdenscheid

Architekten: Till Schneider + Michael Schumacher, Frankfurt am Main

 

Begründung der Jury:

Mit dem ERCO Hochregallager P3 in Lüdenscheid entstand ein herausragendes

Beispiel für zeitgenössische Industriearchitektur.

 

Aus einer scheinbar banalen Aufgabe, nämlich der Verpackung einer als

Meterware gelieferten Maschinerie gelang es den Architekten in Verbindung

mit dem Lichtplaner für die Firma, eine Lichtskulptur zu schaffen, welche

die Firmenphilosophie als Corporate Identity in Szene setzt. Der klare Kubus

mit einer Länge von ca. 70 x 30 m ist in das leicht abschüssige Gelände

eingeschnitten und mit einem Steg an die Produktionshalle angebunden. Die

subtile Ausbildung der Gebäudehülle besteht an den Giebelseiten aus

großformatigen Isolierglasscheiben, die einen unmittelbaren Einblick in die

Technik ermöglichen. Die Längsfassade besteht aus doppelschaligen

Profilglaselementen deren senkrechte Stege nach außen stehen und so ein

filigranes Schattenmuster erzeugen. Durch das transluzente Material werden

die Arbeitsvorgänge der Maschinerie, des Stapelns, Verladens, Ordnen und

Umschichten nach außen projiziert.

 

Durch das gelungene Zusammenspiel von Material, Struktur und Beleuchtung

entsteht ein geheimnisvolles Gebäude mit schlichter Eleganz.

 

Die Inszenierung der Fassadenhinterleuchtung, welche verschiedene Bilder und

Bewegungsabläufe überlagert darstellt, machen die Vorgänge hinter der

Fassade auch in den Abenden und Nachtstunden transparent und überhöhen das

Gebäude zum Kunstwerk.

 

 

1. Preis: Siedlungsmodell Bayern, Ingolstadt

Architekten: Bäuerle – Lüttin, Konstanz

 

Begründung der Jury:

Postulate und Strategien wie

 

- hierarchiefreie Kombinationsmöglichkeiten von Wohnungen

- mögliche Zusammenlegung von Wohnungen

- kostengünstiges Bauen

- innovative Konstruktionen

- hoher Grad an Vorfertigung

- ökologische und energetische Aspekte

- Beteiligung der künftigen Bewohner im Planungsprozess

- Eigenleistung der Nutzer

 

kennzeichnen dieses durch das Land Bayern im Rahmen eines Siedlungsmodells

geförderten Wohngebäudes.

 

Diese Forderungen wurden bei dem ausgezeichneten Gebäude beispielhaft

umgesetzt.

 

Auszeichnungswürdig ist, mit welcher Konsequenz und gestalterischer Qualität

neue, im Wohnungsbau bisher weniger verwendete Materialien wie Stahl und

Leichtmetall eingesetzt wurden.

Verzinkter Stahl kam in großem Umfang für die Tragkonstruktion und bei der

Gestaltung der Fassaden zur Verwendung.

Die Gestaltung überzeugt in allen Bereichen durch die Qualität der

Proportionen, das Kenntlichmachen der Konstruktionsprinzipien und die

materialgerechten Details.

 

2. Preis: Killesbergturm, Stuttgart

Architekten: Schlaich, Bergermann und Partner, Beratende Ingenieure im

Bauwesen, Stuttgart

 

Begründung der Jury:

Aussichtstürme gehören seit alters her zu den Plätzen, die die Phantasie der

Menschen anregen. Dies gilt insbesondere für den Killesbergturm, der ein

innovatives Meisterwerk der Turmbaukunst darstellt. Abgeleitet vom

Konstruktionsprinzip eines Seilnetzkühlturmes entstand ein 40,35 m hoher

Aussichtsturm der zum Wahrzeichen des Killesbergparks geworden ist. Mit

diesem außergewöhnlichen Turm wird überzeugend demonstriert, daß sich

modernste Bautechnik mit Mensch, Natur und Garten im Einklang befinden kann.

Einem herrlichen landschaftlichen Höhepunkt wird noch eine Krone aufgesetzt.

Die transparente und leichte Konstruktion wird durch ein tailliertes,

vorgespanntes Schrägseilnetz erreicht, das an einem oberen, vom Mastkopf

angehängten, Druckring und am Schwergewichtsfundamentring anschließt. Mit

vier großzügigen Aussichtsplattformen in 8, 16, 24 und 31 m Höhe gestaltet

sich das Hinauf- und Heruntersteigen über eine Doppelhelix zu einem Erlebnis

mit unendlich vielen Blickbezügen.

Die Plattformen sind außen am Seilnetz und innen am zentralen nur 50 cm

dicken, stählernen Mast angeschlossen. Die äußeren Wangen der Treppenläufe

sind über Klemmverbindungen am Seilnetz befestigt worden, während die

inneren als gebogene Flachbleche von Podest zu Podest frei spannen.

Der herausragende Gesamteindruck des stählernen, komplett verzinkten Turmes

wird durch die ästhetisch und konstruktiv exzellente Detaillierung noch

unterstrichen.

 

2. Preis: Forschungs- und Entwicklungszentrum der ADVA AG in Meiningen

Architekten: Kauffmann Theilig & Partner, Stuttgart

 

Begründung der Jury:

Mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum der ADVA AG Optical Networking

in Meinigen ist es den Architekten gelungen, die komplexen Anforderungen von

Büro und Produktion mittels einer offenen, sichtbaren Stahlkonstruktion in

einem lichten, freundlichen Bau zu vereinen. Die Planung in Gebäudemodulen,

basierend auf einer regelmäßigen Tragstruktur aus handelsüblichen

HEA-Profilen, gestattete die Realisierung innerhalb einer kurzen Planungs-

und Ausführungszeit sowie eines stringenten Kostenrahmens. Auch die spätere

Erweiterung ist dadurch vorbereitet.

 

Der Baukörper besteht aus zwei Hallen, die der Länge nach von jeweils einem

nach Außen prägnanten Shed-Dach, überspannt werden. Diese ragen nach beiden

Seiten über den Baukörper hinaus und werden dort von einer filigranen

Stahlkonstruktion gestützt.

Im Inneren der Hallen sind die Büro- und Verwaltungsbereiche mittels einer

sichtbaren Stahlkonstruktion galerieartig aufgeständert. Durch die Reduktion

auf wenige Materialien, einen großen Glasanteil und die offene Konstruktion

wird hohe Transparenz und damit eine kreative Arbeitsatmosphäre erzeugt.

Eine Besonderheit ist das intelligente Tageslichtkonzept des Gebäudes. Die

signifikanten Dachelemente mit integrierter Lichtlenkung sorgen für

blendungsfreies, vollflächiges Nordlicht und punktförmiges, unkritisches

Sonnenlicht, sodass eine Atmosphäre fast wie im Freien entsteht.

 

Anerkennung: Grund- und Hauptschule Steisslingen

Architekten: Dury - D’Aloisio, Konstanz

 

Begründung der Jury:

Zu loben ist als erstes die städtebauliche Qualität der Gesamtanlage. Durch

angemessene Gliederung des Neubauvolumens und schöne Freiräume ist zusammen

mit den Altbauten ein spannungsvolles Ganzes entstanden.

 

Das Grundrißgefüge des Neubaus ist von hohem räumlichen Reiz und aus dem

Konzept eines zentralen Freiraums als Mitte der Schulanlage entwickelt.

 

Besonders hervorzuheben ist der sinnvolle Einsatz der Materialien, sowohl,

was Konstruktion, Bauphysik und Details als auch, was die damit erzielte

atmosphärische Wirkung betrifft.

 

So ist das Material Holz in großem Umfang eingesetzt für Stützen, Träger,

Decken und Wände.

 

Auch in den Fassaden kann dieses Material – geschützt gegen die Witterung –

seinen Ausdruck entfalten dank einer Doppelfassade als Glas und verzinktem

Stahl, den beiden Materialien, die dem Gebäude seine Transparenz und

Grazilität verleihen.

 

Anerkennung: Gemeindezentrum „Feste Burg“, Hamburg-Neuallermöhe

Architektin: Christine Edmaier, Berlin

 

Begründung der Jury:

Die längst nicht alltägliche, aber – in Anbetracht des ersten ökumenischen

Kirchentages in Deutschland – äußerst zeitgemäße Bauaufgabe, ein

Gemeindezentrum für evangelische und katholische Mitbürger in einem neuen

Stadtteil zu entwerfen, löst die Verfasserin in sehr beeindruckender Form.

Die „Feste Burg“ beherbergt innere und äußere Qualitäten, wie sie die

zahllosen, vor Jahrzehnten und auch in jüngster Zeit entstandenen

vergleichbaren Häuser nur höchst selten vorzuweisen haben. Obwohl – im

Vergleich zum Wettbewerbsentwurf, in dem zunächst nur eine Begegnungsstätte

für evangelische Christen im Raumprogramm zu berücksichtigen war –

zahlreiche Einsparungen notwendig wurden, konnte nicht nur das qualitätvolle

städtebauliche Konzept realisiert und den neuen Umständen angepaßt werden.

Auch die Architektur überzeugt in ihrer Sinnhaftigkeit und Bescheidenheit,

in ihrer Schlichtheit, Eleganz und Solidität. Alles – Grundrisse,

Materialwahl, Einbindung in die Umgebung, Qualität der Ausführung – wirkt

angemessen, aber dennoch herausragend und den Standort enorm aufwertend: ein

Juwel, das man in einer „neuen Stadt“ nicht unbedingt vermutet hätte.

 

Anerkennung: Solvis Nullemissionsfabrik, Braunschweig

Architekten: Banz + Riecks, Dortmund

 

Begründung der Jury:

Den vielfältigen und sehr berechtigten Lobeshymnen über das mehrfach

ausgezeichnete Bauwerk jüngerer Architektinnen und Architekten als Ergebnis

eines beschränkten Wettbewerbs ist kaum noch etwas hinzuzufügen.

Die Fabrik, in ihrer ganzheitlichen Qualität meilenweit entfernt von den

zahllosen Industrie- und Gewerbebauten, die – von wenigen Ausnahmen

abgesehen – die Ränder unserer Städte verunstaltet haben, ist nicht nur

sichtbarer Ausdrucke und Corporate Identity einer neuen, anderen

Firmenphilosophie, sondern – städtebaulich, architektonisch, technisch, in

Materialauswahl und -verwendung – eine wegweisende Innovation, die neue

Maßstäbe setzt für das Bauen im 21. Jahrhundert.

Darüber hinaus ist die Nullemissionsfabrik ein Beleg dafür, daß auch im

Industrie- und Gewerbebau hohe Qualität zu angemessenen Kosten vor allem

dann entsteht, wenn die maßgeblich Beteiligten – Bauherr, Architekten,

Ingenieure, Unternehmen, Hersteller – an einem Strang ziehen: Baukultur als

Ergebnis von Planungs- und Prozeßkultur.

 

Anerkennung: Verzinken – ein »Schöpferischer Akt«: »Die

Schöpfungsgeschichte«

Künstler: Ideenkunst, Andreas Rimkus, Springe

 

Begründung der Jury:

Die »Schöpfungsgeschichte« erzielt ihren Reiz dadurch, dass der Künstler den

eigentlichen Prozess des Verzinkens, der üblicherweise rein zweckmäßig und

nur im Ergebnis zu betrachten ist, abbildet. Er wird so nachvollziehbar und

vom funktionellen zum formgebenden – schöpferischen – Akt, der Raum zu

vielfältigen Assoziationen gibt.

 

Das Objekt »Schöpfungsgeschichte« wurde für einen sakralen Raum konzipiert

und besteht aus einem Stahlrahmen, der mit Kupferdrähten umwickelt wurde und

am offenen Zinkbad entstand. Intention des Künstlers war es,

beim »Modellieren« mit dem Zink gerade die Eigenschaften des Zinks zu

verwenden, die im Normalfall nach dem Verzinken wieder verschwinden.

 

Belobigung: Gläserne Manufaktur Dresden, Volkswagen AG

Architekten: Henn Architekten Prof. Dr. Gunter Henn, München

 

Begründung der Jury:

Die Gläserne Manufaktur ist eine Fabrik, deren gesamte Hülle aus

Glasfassaden besteht. Hier montiert VW die Luxuslimousine Phaeton. Die

Transparenz der hellen, atelierartigen Räume macht die schrittweise

Entstehung eines vornehmlich in Handarbeit gefertigten Fahrzeuges erlebbar

und inszeniert seine Übergabe an den Kunden. Weitere Räume mit

Erlebnischarakter wie Ausstellungen, Techniksimulationen, Restaurants und

Bars machen die gesamte Produktion zu einem Ereignis im öffentlichen Raum

der Stadt Dresden.

 

Das „Fahrzeugzylinder“ genannte Teilgebäude ist ein 44 Meter hoher runder

Stahlbau mit einem Durchmesser von dreißig Metern. Der Zylinder setzt sich

aus verzinkten Regalkonstruktionen, dreihundert verzinkten Stahlplattformen

und 1030 Quadratmetern verzinkter Gitterrostbeläge entlang der Fassen

zusammen. Hier werden die fertigen Wagen präsentiert. In den Außenbereich

der Fabrik führen drei Stahlbetonbrücken, die mit verzinkten Stahlgeländern

umwehrt sind.

 

Die transparente Architektur auf der Grundlage vieler verzinkter Primär- und

Sekundärbauteile aus Stahl unterscheidet die Gläserne Manufaktur von

herkömmlichen Auslieferungszentren für Automobile.

 

Belobigung: Antennenempfangsmast Reg TP Leipzig

Architekten: Schulitz + Partner, Architekten und Ingenieure, Braunschweig

 

Begründung der Jury:

Der über 50 m hohe Antennenempfangsmast besticht durch die konstruktive und

gestalterische Reduktion auf das Notwendige. Die drei Plattformen in ca. 39,

45 und 50 m Höhe sind funktional und bilden auch formal ein ansprechendes

„Kapitell“.

Der gewählte Dreigurtmast wurde als Vierendeelsystem mit ungleichen Gurten

aus Stahlrohr ausgeführt. Der Hauptgurt läuft bis zur Mastspitze in ca. 51 m

Höhe durch und besitzt konsequenterweise mit ca. 500 mm den größten

Durchmesser. Die Nebengurte reichen nur bis zur ersten Plattform in ca. 39 m

Höhe. Sie sind folglich mit ca. 320 mm Durchmesser deutlich schlanker. Die

horizontalen Streben aus IPE 330 sind entsprechend der Beanspruchung nach

oben hin mit zunehmendem Abstand angeordnet worden. Hierdurch kommt eine

wohltuende Dynamik in die Struktur. Das Nichtvorhandensein von Diagonalen

unterstreicht dabei die klare, stringente Eleganz.

Die gesamte feuerverzinkte Konstruktion wurde verzinkungsgerecht in Schüssen

von bis zu 16 m Länge vorgefertigt und vor Ort nur noch mit Schraubstößen

montiert.

Mit dem Mast ist ein technisches Bauwerk gelungen, daß sicherlich

richtungsweisend für ähnliche Bauaufgaben sein wird. Bedingt durch die klare

orthogonale Struktur und die Reduktion auf wenige gleiche Bauteile ist die

Einfügung sowohl in die natürliche als auch in die gebaute Umwelt äußerst

verträglich.

 

Belobigung: Atelier in der Lindberghstrasse, München

Architekten: Nickl & Partner, München

 

Begründung der Jury:

Das Gebäude liegt in einem neu erschlossenen Gewerbegebiet in München. Es

war das Ziel der Architekten ein Gebäude zu konzipieren, welches einerseits

den Ansprüchen an Funktion und Flexibilität der künftigen Nutzer als auch

dem voraussichtlich heterogenen Gefüge eines entstehenden Gewerbegebietes

entsprach.

 

Der entstandene Kubus lehnt sich mit seinem Kopf an die Eingangsseite im

Süden an die Lindberghstrasse, um sich dann fast schwebend in die Landschaft

hinaus zu schieben.

 

Für die Jury bestand ein besonderer Reiz in der mehrschichtigen Hülle des

Gebäudes, das dabei in seinem schroffen, industriellen Charakter den Bogen

zwischen Abschottung auf der einen und individueller Offenheit auf der

anderen Seite spannt.

 

Obwohl das Tragwerk des Gebäudes aus Stahlbeton besteht, ist die

beeindruckende Fassade aus feuerverzinktem Stahl die Hauptcharakteristik des

Gebäudes. Die feuerverzinkte Pfosten- Riegelkonstruktion der Fassade mit

einer Lamellenhaut, die über Tages- und Jahreszeitenverlauf immer wieder

eine wechselnde, fast chamäleonhafte Erscheinung annimmt, stellt hier eine

unverwechselbare Hülle dar.

 

Belobigung: Wohnhaus in Weiskirchen

Architekt: Markus Ott, Saarbrücken

 

Begründung der Jury:

Bei diesem Wohnhaus besticht der konsequente Einsatz einer verzinkten

Stahlkonstruktion, durch die Entwurfsabsicht des Architekten – massives

Sockelgeschoß, Öffnung des Wohnbereichs nach Südwesten und „schwebendes“

Obergeschoß – verwirklicht werden konnte.

 

Bemerkenswert sind gestalterische Details wie das „Ablösen“ des

Obergeschosses vom Sockelgeschoß und die „gläserne Fuge“ an dieser Stelle.

 

Belobigung: Friedhoftor „Durchlaufende Linien“

Künstler: Alfred Bullermann, Markhausen

 

Begründung der Jury:

Es ist die Suche nach dem Neuen, dem Eigenen, dem Besonderen, die den

Schmied und Produktdesigner Alfred Bullermann bei der Metallgestaltung

antreibt. Die Ergebnisse seiner Arbeit sind manchmal bizarr, exzentrisch

oder grafisch und starr, nicht selten auch gefühlvoll angelehnt an das was

war. Das mit einer Belobigung ausgezeichnete Friedhofstor in dessen Mitte

und Zentrum erhaben das Kreuz steht, fügt sich harmonisch in sein räumliches

Umfeld aus friedhofstypischer Begrünung, einer roten Backsteinmauer und

ebenfalls roter Bepflasterung ein. Die filigrane, offene Konstruktion

konzentriert sich auf das Wesentliche und besticht durch ihre schlichte

Zurückhaltung, die im wesentlichen aus horizontalen und vertikalen Linien

besteht und von durchlaufenden Linien durchbrochen wird. Das feuerverzinkte

Friedhofstor steht im Kontext und in der Tradition sakraler Formensprache

und interpretiert diese in einer modernen und eigenständigen Weise.

 





















Anmerkung: Die Dateibezeichnungen zu den einzelnen Bildern sind "sprechend" und können leicht den Preisträgern zugeordnet werden.


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Verzinkerpreis_2003_lang.doc

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