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Maßanzug made in Metzingen - Hugo Boss Verwaltungsgebäude







Die Hugo Boss AG gilt international als Musterschüler der Modebranche. Selbst in Zeiten der Konsumflaute schafft der Konzern Rekordgewinne mit einer dynamischen und edlen Markenpalette, die mal klassisch, mal sportlich bis trendy oder glamourös sein kann. Hugo Boss machte Metzingen zur „Hauptstadt des deutschen Fabrikverkaufs“ und hält der 22.000-Einwohner-Stadt am Fuß der schwäbischen Alp seine Treue.

 

Auf einem beachtlichen Areal an der Nordtangente Metzingens, dem so genannten Hugo Boss-Campus, befindet sich ein Ensemble von Firmengebäuden für die verschiedenen Unternehmensbereiche, die ungewöhnliche Namen wie Moulin Rouge, Kreml, Vatikan oder Piccadilly tragen. Durch eine langfristige Planung ist ein in sich geschlossenes Firmengelände mit klarer Bereichsbildung entstanden, gegliedert in Funktionen wie Verwaltung, Produktentwicklung Produktion und Lager. Ein wesentliches Ziel war die Verbesserung von Kommunikationsmöglichkeiten durch eine klare Zentrumsbildung. Dies trägt zudem zur Vereinfachung der firmeninternen Orientierung bei. Eine zentrale Erschließung schafft zusätzlich eine attraktive Empfangssituation. 

 

Seit Dezember 2006 ist ein neues Verwaltungsgebäude mit dem Namenskürzel „d19“ hinzugekommen. Es befindet sich in der Nachbarschaft eines Baus mit dem Namen Atrium und zitiert wichtige Elemente seiner Gestaltung. Von Außen betrachtet besticht das Gebäude durch eine einfache kubische Form, im Inneren zeichnet es sich durch Differenzierung und Flexibilität aus. Entmaterialisierung war das Leitmotiv der architektonischen Gestaltung. Es sollte eine möglichst neutrale Umgebung für die wechselnden Design-Produkte im Modebereich geschaffen werden, damit diese maximal zu Geltung kommen. „The product is the hero“ – das Produkt steht im Mittelpunkt. Dies wird durch eine Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes, vor allem durch die Beschränkung auf wenige Leitfarben und -materialien erreicht. Silber, weiß und schwarz beziehungsweise Beton, Glas und feuerverzinkter Stahl prägen das Gebäude. 

 

Mit einer Gesamtfläche von 21.000 Quadratmetern auf vier Stockwerken verteilt bietet „d19“ für 420 Mitarbeiter Büroflächen, Besprechungsräume, ein Betriebsrestaurant, ein Fitnessstudio, Show- und Eventflächen und eine Tiefgarage. Das als Atrium angelegte Gebäude ist ein hochflexibler Skelettbau mit der Möglichkeit zur Schaffung von bedarfsgerechten Einzel-, Gruppen- oder Großraumbüros. 

 

Das Gebäude verzichtet auf eine Vollklimatisierung. Sämtliche Büroarbeitsplätze können über die Fenster belüftet werden und zeichnen sich zudem durch eine Tagesbelichtung aus. Möglich wird dies durch eine Doppelfassade. Sie dient als „zweite Haut" in zweifacher Funktion: Sie ist ein formbildendes Element und von zentraler Bedeutung für das Klima- und Energiekonzept der Gebäudes, denn sie nutzt solare Energien. Das Belüftungsprinzip von „d19“ basiert auf der so genannten freien Lüftung ohne mechanischen Antrieb. Ein wichtiger Faktor ist hierbei das großzügige Atrium, um das die Arbeitsplätze organisiert sind, da hier der für die Lüftung notwendige Auftrieb erzeugt wird.

 

Die Innenfassade wurde als Pfosten-Riegel-Konstruktion aus rechteckig geformten Stahlhohlprofilen mit einer Ansichtbreite von 50 mm und unterschiedlichen Bautiefen ausgeführt. Die tragenden Profile sind raumseitig angeordnet. Auf die Stahl-Hohlprofile wurden EPDM-Dichtungen aufgesetzt, auf die eine Verglasung aus Weißglas erfolgte.
Die Außenfassade von „d19“ wurde über Kragarme aus Stahlflachprofilen an den vertikalen Fassadenpfosten befestigt. Die Glasscheiben der Sekundärfassade werden durch an den Kragarmen angebrachte Edelstahlpunkthalter fixiert. Zur Aussteifung wurden Gitterrostfelder zwischen den Kragarmen verschraubt. Sie dienen zusätzlich als Wartungsstege. Das Gewicht der Außenfassade wird durch an der Attika des Gebäudes angebrachte Kragarme über Zugstangen abhängt.

 

Neben Materialien wie Glas, Sichtbeton und geschliffenem Beton für die Böden kam feuerverzinkter Stahl aus gestalterischen Gründen in vielfältiger Weise zum Einsatz. Sämtliche Stahlteile der Innen- und Außenfassade inklusive der Kragarme, Zugstäbe und Gitterroste wurden feuerverzinkt ausgeführt. Zusätzlich wurde die Feuerverzinkung als Oberflächenveredelung im Innenbereich in außergewöhnlicher Weise verwendet. Die Deckenstirnbleche der offenen Geschosse, die Abdeckbleche der Treppenwangen und die Treppengeländer wurden gestalterisch effektvoll feuerverzinkt. Im Außenbereich wurden sämtliche Geländer und das Vordach der Anlieferung ebenfalls verzinkt ausgeführt. Die lebendigen feuerverzinkten Oberflächen harmonieren perfekt mit den Glas und Betonflächen und tragen wesentlich zur entmaterialisierten Anmutung des Gebäudes bei.

 

Bautafel:
Architekten: Domino Planungsgesellschaft Architekten und Ingenieure mbH, Reutlingen
Stahlbau: Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH, Gersthofen

 

Abbildungen:
Abb.1: Glas und feuerverzinkter Stahl prägen die Fassade der Hugo Boss-Verwaltung.

Abb.2: Beton, Glas und feuerverzinkter Stahl dominieren das Foyer.
 
Abb. 3: Feuerverzinkter Stahl trägt die Doppelfassade, die von zentraler Bedeutung für das Klima- und Energiekonzept des Gebäudes ist.
 
Abb. 4: Feuerverzinkte Abdeckbleche der Treppenwangen und feuerverzinkte Treppengeländer tragen in Kombination mit Glas und Beton zur Entmaterialisierung des Treppenhauses bei:
 
Abb. 5: Deckenstirnbleche und die innenliegende Pfosten-Riegel-Konstruktion der Fassade wurden aus gestalterischen Gründen feuerverzinkt.

 
Backgrounder:
Der Industrieverband Feuerverzinken e.V. und seine Serviceorganisation, das Institut Feuerverzinken GmbH, vertreten mit 110 Mitgliedern rund 75% des deutschen Feuerverzinkungsmarktes. Im Jahr 2006 wurden von der Branche in Deutschland ca. 1,4 Mio. t Stahl stückverzinkt. Wichtige Anwendungsbereiche des Korrosionsschutzes durch Feuerverzinken sind u.a. Architektur und Bauwesen sowie die Verkehrstechnik und der Fahrzeugbau. Weitere Informationen zum Feuerverzinken unter: www.feuerverzinken.com.


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