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Zentraler Omnibusbahnhof Herne - Schwebende Transparenz mit feuerverzinktem Stahl



Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Bahnhofsvorplatz in Herne ist mit mehr als 12.000 Fahrgästen pro Tag einer der wichtigsten Knotenpunkte des öffentlichen Personennahverkehrs im Stadtgebiet von Herne. Über ihn werden nahezu alle Herner Stadtteile mit Nahverkehrs-Leistungen versorgt. Zudem ist er ein zentraler Umsteigepunkt zum Schienenverkehr und der Stadtbahn.

 

Im Rahmen eines beschränkten Realisierungswettbewerbs wurde die Heiderich Hummert Klein Architektenpartnerschaft, Dortmund mit der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes betraut. Entgegen ursprünglicher Pläne wurde von der Stadt vorgegeben, dass der gesamte Bereich des Busbahnhofs mit einer Überdachung zu versehen ist. Die Überdachung sollte das Bahnhofsgebäude mit den Bussteigen und dem U-Bahn-Zugang verbinden und den wettergeschützten Umstieg der Fahrgäste zwischen den verschiedenen Verkehrsarten gewährleisten.

 

Mit seiner Ausdehnung von ca. 250 m x 80 m und einer sehr heterogenen Randbebauung war der Bahnhofsvorplatz städtebaulich wenig definiert. Die zu überdachenden Flächen wurden durch die bereits fertig gestellte Verkehrsplanung weitgehend vorgegeben. Die Architekten erarbeiteten ein Konzept, nach dem eine in sich geschlossene Großform den überdachten Bereich umschließen und zu einem Ort innerhalb des Platzes machen sollte. Gleichzeitig wurde eine klare Gliederung der verbleibenden Freibereiche angestrebt, so dass ein Kontinuum einzelner definierter Platzräume entstehen sollte.

 

Die Lösung war eine Überdachung, die mit der Grundrissform zweier in der Länge verschmolzener Ellipsen als transparenter Körper in ca. 6,00 m Höhe über der Businsel schwebt. Gegenüber dem Haupteingang des Bahnhofsgebäudes entsteht eine Taillierung des Daches, in deren Scheitelpunkt ein untergeordnetes Verbindungsdach angehängt ist, das den regengeschützten Übergang zwischen Businsel und Bahnhofsgebäude ermöglicht und gleichzeitig den Zugang zum Bahnhof im Stadtraum markiert.

 

Ausführung und Bauablauf

Die Überdachung wurde in enger Zusammenarbeit mit den Tragwerksplanern Bollinger & Grohmann, Frankfurt a. M. geplant und realisiert. Das Tragwerk des Hauptdachs ist eine Stahlfachwerkkonstruktion aus Rundrohren verschiedener Querschnitte:

 

Zwei parallele Reihen Rundstützen (d = 25 cm) mit einem Achsabstand von 7,50 m im Quadrat tragen ein System aus zwei Längsträgern und 37 parallelen Querträgern. Diese sind im Achsabstand von 3,75 m montiert, so dass jeder zweite Querträger frei zwischen den Stützen schwebt. Die Trägerenden sind über einen umlaufenden Randträger verbunden.

 

Die Ober- und Untergurte der Querträger sind gebogen als Fischbauchträger ausgeführt und erzeugen einen nach oben und unten konvexen Dachquerschnitt. Die Aussteifung der Konstruktion erfolgt über die Einspannung der Stützen im Baugrund. Die Oberseite des Dachkörpers wurde mit klarem, begehbarem Sicherheitsglas gedeckt. Die Unterseite ist mit einer Haut aus transparentem Edelstahldrahtgewebe unterspannt. Das Regenwasser der Dachfläche fließt in eine konventionelle Dachrinne innerhalb der Randverkleidung und wird durch die Untergurte der Hauptträger und die Stützen in die Kanalisation abgeführt. Die gesamte Überdachung ist ca. 142 m lang und an der breitesten Stelle ca. 26,30 m breit. Die Konstruktion besteht aus ca. 100 t Stahl und jeweils ca. 3.100 m² Glas und Edelstahlgewebe. Die abgewickelte Länge des Randträgers misst ca. 300 m.

 

Korrosionsschutz

Als Korrosionsschutz für die Stahlkonstruktion wurde zu großen Teilen eine Feuerverzinkung eingesetzt. Bauteile, die dem Niederschlagswasser unmittelbar ausgesetzt sind, wurden mit einem Duplex-System aus einer Feuerverzinkung und einer zusätzlichen Beschichtung versehen. Die Stahlrohrstützen sowie sämtliche Stahlpfetten, die die Glasdeckung tragen, wurden feuerverzinkt und beschichtet.

 

Abbildung 1: Der städtebaulich undefinierte Bahnhofsvorplatz wurde mit der als geschlossene Großform angelegten Überdachung neu geordnet.

 

Abbildung 2: Als Korrosionsschutz für die Stahlkonstruktion der Überdachung wurde eine Feuerverzinkung eingesetzt.

 

Backgrounder:
Der Industrieverband Feuerverzinken e.V. und seine Serviceorganisation, das Institut Feuerverzinken GmbH, vertreten mit 112 Mitgliedern rund 75% des deutschen Feuerverzinkungsmarktes, die im Jahr 2008 ca. 1,4 Mio. t Stahl stückverzinkt haben. Wichtige Anwendungsbereiche des Korrosionsschutzes durch Feuerverzinken sind u. a. Architektur und Bauwesen sowie die Verkehrstechnik und der Fahrzeugbau. Weitere Informationen zum Feuerverzinken unter: www.feuerverzinken.com

 


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