Staatssekretär Thomas Wünsch besucht Seppeler Feuerverzinkung Genthin GmbH & Co. KG

Staatssekretär Thomas Wünsch besucht Seppeler Feuerverzinkung Genthin GmbH & Co. KG

Praxischeck Energietransformation
Genthin
19.08.2026
  • Einblicke in die Feuerverzinkung
  • Bürokratie hindert Elektrifizierung der Industrie
  • Forschung und Entwicklung gefährdet

Heute besuchte Thomas Wünsch (Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt) den Genthiner Standort der Seppeler Gruppe. In einem Betriebsrundgang zeigte Dr. Michael Richter (Geschäftsführer) dem Staatssekretär das Kerngeschäft des Korrosionsschutzes von Stahlbauteilen durch die Stückverzinkung. Der Bundesverband Feuerverzinken wurde dabei durch Mark Huckshold (Geschäftsführer) vertreten. Im anschließenden Austausch wurden entscheidende landespolitische Rahmenbedingungen für den Standort diskutiert.

Zugleich gab die Seppeler Gruppe Einblicke in ihre Innovationsagenda: Digitale Vernetzung, Simulation, Robotik und KI sollen Prozesse effizienter machen und Mitarbeitende entlasten. Forschung und Entwicklung sind dabei fest in der Unternehmensphilosophie verankert.

Bürokratie hindert Elektrifizierung

Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Feuerverzinkungsbranche ist der Energiebezug. In diesem Kontext wurde dem Staatssekretär die Roadmap Feuerverzinken 2045 vorgestellt. Die Studie zeigt auf, dass schon heute die Produktionsprozesse der deutschen Verzinkereien elektrifiziert werden können, wenn passende politische Rahmenbedingungen etabliert werden. Für die Landespolitik bedeutet das, dass Unternehmen leistungsfähige und zügige Netzanschlüsse zur Verfügung gestellt werden müssen. Hier erschweren aktuell die Dauer von Genehmigungsverfahren und hohe bürokratische Aufwände eine praktische Umsetzung. Auch das Energiesystem selbst kommt nicht ohne feuerverzinkten Stahl aus. Am Standort in Genthin werden beispielsweise Teile für Hochspannungsmasten veredelt und damit dauerhaft vor Witterung geschützt.

Forschung und Entwicklung gefährdet

Der industrielle Mittelstand steht unter spürbarem Druck. Er bildet das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und verdankt seine Stärke unter anderem den herausragenden Leistungen der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF). Die staatlichen Mittel hierfür sollen jedoch im aktuellen Bundeshaushaltsentwurf gekürzt werden, obwohl diese laut der Allianz für Industrie und Forschung schon heute deutlich zu klein ausfallen.

Mark Huckshold erläuterte die Bedeutung für die Feuerverzinkungsindustrie: Die Forschungsvereinigung Feuerverzinkung konnte in den letzten 75 Jahren dank der IGF-Mittel rund 180 Forschungsprojekte durchführen, die maßgeblich zum Erfolg der Branche und der Erschließung neuer Märkte beigetragen haben. Eine Kürzung könnte bedeuten, die Vorreiterrolle im internationalen Wettbewerb zu verlieren.

Wie praxisnah Forschung bei Seppeler umgesetzt wird, zeigt die Einrichtung eines Technikums am Standort Delbrück der Seppeler Gruppe im Jahr 2025. Seitdem arbeitet auch die Seppeler Gruppe kontinuierlich an der Handhabbarkeit einer Zink-Aluminium-Schmelze, um für den Markt eine Antwort auf spezielle Kundenanforderungen zu erhalten. Dieses Verfahren wird die klassische Feuerverzinkung nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen.

Dr. Michael Richter fasste den Termin wie folgt zusammen: „Technologisch sind wir als Branche sehr gut aufgestellt. Verzinken mit erneuerbaren Energien ist möglich. Das Energiesystem spiegelt diese Potenziale aber noch nicht wider. Veraltete bürokratische Prozesse und hohe Transformationskosten erschweren dem industriellen Mittelstand, eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Thomas Wünsch betonte: „Besuche wie der heutige zeigen das hohe Maß an industrieller Qualität auf, das Sachsen-Anhalt zu bieten hat. Um diese zu erhalten, müssen wir Genehmigungsverfahren beschleunigen und bei der Anwendungsforschung die Rahmenbedingungen so setzen, dass der Wirtschaftsstandort zukunftsfähig bleibt.”

Über den Bundesverband Feuerverzinken e.V.

Der Bundesverband Feuerverzinken e.V. (BVF) ist die zentrale Interessenvertretung der deutschen Feuerverzinkungsindustrie. Zu seinen Mitgliedern zählen rund 120 mittelständisch geprägte Unternehmen mit insgesamt etwa 35.000 Beschäftigten, die jährlich knapp 2 Millionen Tonnen Stahl durch Feuerverzinken vor Korrosion schützen oder als Zulieferer der Branche tätig sind. Der BVF setzt sich wirtschaftlich, technisch und politisch für die Belange der Branche ein und fördert Innovation und Nachhaltigkeit.

Ansprechpartner
Oliver Pickartz
Leiter Branchenkommunikation
E-Mail senden