Das braucht die Feuerverzinkungsindustrie, um klimaneutral zu werden

Das braucht die Feuerverzinkungsindustrie, um klimaneutral zu werden
- Das renommierte Öko-Institut hat eine umfassende Studie zur Dekarbonisierung der deutschen Feuerverzinkungsbranche entwickelt.
- Die deutsche Feuerverzinkungsindustrie kann ihre Prozesse demnach bis 2045 klimaneutral gestalten.
- Für die erfolgreiche Transformation sind allerdings verlässliche Strompreise, schnellere Netzanschlüsse und zielgerichtete Förderinstrumente notwendig.
Der Bundesverband Feuerverzinken hat heute im Rahmen seines Branchenevents in Berlin die Roadmap Feuerverzinken 2045 vorgestellt. Die im Auftrag des Verbandes vom Öko-Institut erarbeitete Studie zeigt detailliert auf, wie die Branche in den kommenden zwei Jahrzehnten treibhausgasneutral werden kann. Die Industrie appelliert nun an die Politik, die notwendigen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Erfolgsbilanz und das Ziel für 2045
Die Feuerverzinkungsindustrie hat ihre Emissionen in der Vergangenheit bereits mehr als halbiert. Durch den Verzicht auf ölbeheizte Kessel, konsequente Effizienzmaßnahmen und hohe Recyclingquoten stößt die Branche heute pro Tonne verzinktem Stahl 55 Prozent weniger Treibhausgase aus als noch 1990. Schon heute wirtschaftet die Industrie in hohem Maße zirkulär. Das eingesetzte Zink sowie alle notwendigen Chemikalien sind vollständig recycelbar und die Nutzung von Abwärme zum Heizen der Produktionshallen ist längst gelebter Branchenstandard. Auf dieser Grundlage zeigt die Roadmap, was bis Mitte des Jahrhunderts erreichbar ist.
Carl-Otto Gensch vom Öko-Institut betont: „Durch weitere Ausschöpfung von Maßnahmen der Energieeffizienz, der Elektrifizierung der Beheizung der Verzinkungsöfen, des Ausbaus an Erneuerbaren Energien sowie durch den Bezug von Low-Carbon-Zink ist auch absolut gesehen eine weitgehende Reduktion der THG-Emissionen um 90 % ggü. 1990 bis ins Jahr 2045 möglich.“
Drei Kernforderungen an die Politik
Der größte Teil der verbleibenden Emissionen entsteht durch die Beheizung der Zinkkessel, die derzeit primär mit Erdgas erfolgt. Die Umrüstung auf grünen Strom ist technologisch möglich, erfordert von den Unternehmen jedoch immense Investitionen. Damit diese Umgestaltung gelingt, formuliert der Bundesverband drei zentrale politische Forderungen:
- Mittelstandstransformationsfonds (MTF): Schwer zugängliche Förderinstrumente bremsen den Wandel. Ein gezielter Fonds soll mittelständische Industrieunternehmen bei den hohen Vorabinvestitionen für den Wechsel von Erdgas auf elektrifizierte Technologien unterstützen, Investitionen beschleunigen und Risiken senken.
- Langfristiger Dekarbonisierungsstrompreis: Die Elektrifizierung einer Verzinkungsanlage funktioniert nicht von heute auf morgen. Da der aktuelle Industriestrompreis bis 2028 befristet ist, fehlt den Betrieben die Planungssicherheit für diese langfristigen Investitionen. Sie müssen sich darauf verlassen können, auch nach dem Umstieg auf Strom wettbewerbsfähig arbeiten zu können.
- Schnellere Netzanschlüsse und Netzausbau: Für elektrifizierte Anlagen braucht es leistungsfähige und verlässliche Anschlüsse an das Stromnetz. Unternehmen warten oft mehrere Jahre auf leistungsstärkere Anschlüsse. Hier sind beschleunigte Anschlussverfahren und eine bessere Koordination der Verteilnetzbetreiber zwingend erforderlich.
Die Roadmap ist somit ein klarer Handlungsaufruf an die politischen Entscheidungsträger, den Umbau der mittelständischen Industrie durch verlässliche Investitionsbedingungen und den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien abzusichern.
Über den Bundesverband Feuerverzinken e.V.
Der Bundesverband Feuerverzinken e.V. (BVF) ist die zentrale Interessenvertretung der deutschen Feuerverzinkungsindustrie. Zu seinen Mitgliedern zählen rund 120 mittelständisch geprägte Unternehmen mit insgesamt etwa 35.000 Beschäftigten, die jährlich knapp 2 Millionen Tonnen Stahl durch Feuerverzinken vor Korrosion schützen oder als Zulieferer der Branche tätig sind. Der BVF setzt sich wirtschaftlich, technisch und politisch für die Belange der Branche ein und fördert Innovation und Nachhaltigkeit.
Ansprechpartner
Oliver Pickartz
Leiter Branchenkommunikation
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